• Justus

"Zeitgeist"(8) an der Krähe

Aus dem Alpenvorland erscheinen die Ammergauer Alpen sehr sanft und hügelig, aus sportlicher Sicht deutlich weniger interessant als aus landschaftlicher Sicht. Doch die sehr schöne Landschaft beherbergt einige lohnende Wände, in denen Routen verschiedenster Begehungs-Stile zu finden sind.

Eine der abgelegensten Wände hat der Berg "Krähe" mit seiner breiten und sehr steilen Nordwand zu bieten. Dort geht die alpine Sportkletterlinie "Zeitgeist" (UIAA 8) mit sehr homogener Schwierigkeit hindurch.

Leider ist die Krähe Nordwand sehr lange nass, aber wir waren geduldig und konnten diese Route Mitte diesen sehr trockenen Septembers in fast komplett trockenem Zustand klettern.


Die Nordwand der Krähe, auf den Pfeiler links des Gipfels führt der "Zeitgeist".

Los geht's am Parkplatz in Halblech am besten (und fairsten) natürlich mit dem Fahrrad bis zum Wankerfleck (1h). Alternativ kann man auch zur Kenzenhütte Radeln und hat dafür nicht mehr so weit zu laufen.

Dann geht's zu Fuß unter die Wand (1,5h), wobei uns der optimale Weg unklar ist, weshalb wir unseren hier nicht beschreiben.


Im Folgenden beschreibt jeweils der Vorsteiger die Seillängen, nicht verwirren lassen! ; )


1. Seillänge: 8

In der erste Seillänge findet man viele mehr oder weniger runde Löcher in richtig kompaktem, rauem Fels, die manchmal mehr und manchmal weniger gute Griffe abgeben. Die Kletterei ist schön und bis auf eine harte Stelle nicht so schwer. Vom Boden weg geht's steil aber griffig rauf bis zum zweiten Bolt. Der Abstand vom ersten zum zweiten Haken ist etwas weit und es empfiehlt sich evtl. dazwischen einen mittleren Klemmkeil zu legen (Cam klappt nicht, Keil aber vermutlich ganz gut). Zwischen dem zweiten und dritten Haken stößt man dann auf die klare Schlüsselstelle der Seillänge. Die definitiv schwierigsten Züge der Tour. An zwei kleinen, glatten Leisten die man über einer ausladenden Felsstruktur ertasten kann, muss man ordentlich hochblockieren und das richtige Loch packen, kleiner Tipp, es ist das mit dem Griff drin;) Welches das ist kann man von unten freilich schwer erkennen und weil ich es auch nicht auf Anhieb gefunden hab, verrate ich seine Position dem Ego halber nicht;);) Oben raus legt sich die Lochplatte zurück und es geht in entspannter, aber immer noch technischer Kletterei zum Stand hin.

Die Schlüsselstelle der ersten Seillänge

Obenraus wird's leichter


2. Seillänge: 7+

In toller Kletterei geht es eher entspannt hinauf, bis unter einen kleinen Bauch, wo es mal kurz anstrengend ist. Auf einem etwas hohl kingenden Pfeiler ist dann Stand.

Aber obacht: Recherchen im treemountain-Archiv haben ergeben, dass hier der Reiner schonmal einen ordentlichen Abgang mitsamt Felsblock gemacht hat, vom Stand wieder 3 Haken weiter runter. Die Stelle ist aber nett, kann man schon nochmal klettern : D


Wunderbar steil und griffig in der 2. SL

Der Fels bleibt überragend, voll die Rampe

So sportlich, wie's hier ausschaut hab ich's eigentlich nicht in Erinnerung



3. Seillänge: 8

Diese Länge ist einfach nur genial zu klettern und obwohl sie in vieler Hinsicht wesentlich anspruchsvoller ist als die vorangegangenen Seillängen, beinhaltet sie keine undankbare Schlüsselstelle, die einen einfach so abwirft. Gefordert sind 30m anhaltend steile, sehr technische Kletterei an teils kleinen Griffen. Mitunter sind die Kletterzüge recht komplex, die Griff und Trittstrukturen sind aber immer ganz gut ersichtlich. Die Felsqualität ist ausgesprochen gut, nur das schmale Band kurz vor dem Standplatz beinhaltet ein paar lose Brocken. Die schwarzen Stellen in den Felslöchern sind oft mit Flechten bewachsen, die einige Zeit brauchen um wirklich zu trocknen. Wir hatten Glück. Der achte Grad ist auf beinahe jedem Meter zu klettern, auch zwischen den Haken.


Der Fels ist wirklich exzellent

Die Wand ist richtig steil

4. Seillänge: 8

Hier wird es nochmal sehr ausgesetzt, geht es nach rechts über die Dächer. Erst leicht aufwärts, dann ein Stück quer und dann wieder gerade nach oben zum Stand.

Auch hier tolle Kletterei, besonders im Quergang.

Da gehts gleich richtig los in der 4. Länge

Echt Hammer dieser Quergang

5. Seillänge: 7+

Der erste Abschnitt dieser Seillänge ist echt ordentliche Plattenkletterei und man sollte der Reibung der Kletterschuhe auf dem Fels gut vertrauen. Die Hakenabstände sind zwar trotz der wackeligen Kletterei nicht weniger weit als im Rest der Route, ein Sturz ist aber auch hier nicht all zu gefährlich. Mit dem Ende der Platte beginnt der zweite Abschnitt der Seillänge, eine Rissverschneidung zum selber Absichern. Hier sollte man wirklich mit mobilen Sicherungsmitteln umgehen können, wenn man nicht bei einem Sturz in die Platte einschlagen will. Es empfehlen sich einige kleine und mittlere Cams, auch Klemmkeile könnten in dem schmalen Riss der Verschneidung halten. Die Felsqualität ist gut, sodass man wirklich solide Placements unterbringt und einigermaßen sorglos weiterklettern kann. Die Rissverschneidung endet in einem Dach, hier steckt wieder ein Bohrhaken. Die Kletterei wird eklig, man muss durch einen breiten Querriss krabbeln bis man einen Riesigen Rettungshenkel über sich entdeckt. Die letzten Meter zum Standplatz hin geht's durch Schrofen. Da fühlt man sich wie daheim, so als Allgäuer;)


Jakob auf der Platte

Am Beginn der Rissverschneidung


Am Ende der Rissverschneidung

Justus der Schrofenpilot freut sich über die üppige Vegetation


6. Seillänge: 6-

Diese Seillänge führt nur zur Gipfelwand, die wenigen Meter Kletterei sind deswegen aber nicht schlecht. Auch hier ist der Fels gut, man quert aber mehr auf Grasbändern als man klettert.


Ums Eck gibts dann noch was zum klettern

7. Seillänge: 8-

Die Schwierigkeiten belaufen sich eigentlich ausschließlich auf die ersten fünf Meter, danach wird's deutlich leichter. Leider ist die Schlüsselstelle ziemlich brüchig, dafür sind die Hakenabstände recht klein. Oben raus kommt man auf eine flache Schrofenplatte, über die diagonal links zum Stand gequert wird.



Den Bruch überwindet man nur mit Gewalt ;)

Oben wird die Seillänge schön, leicht und die Laune steigt mit der Felsqualität

Justus auf der Schrofenplatte


8. Seillänge: 8-

Hier wird der Fels nochmal richtig gut. Die Seillänge folgt einem überhängenden Riss und bleibt bis zum letzten Zug zum Stand an der Kante anspruchsvoll und schön.


Der erste Teil der letzten Seillänge


Es folgt Teil zwei, ziemlich tricky, die Griffe verstecken sich gut, da darf man schon mal böse gucken!!!

Abstieg:

Abseilen macht leider keinen Sinn, da es immer wieder etwas quer geht und oben auch einige Bänder drin sind. Aber: Kein Problem für uns zwei Barfuß-Spezialisten. Man kann gut über den Krähe-Normalweg wieder zum Einstieg absteigen. (Im Geröll könnten auch Schuhe vorteilhaft sein : ) )



Schuhe wären nicht übel aber wir alten Yogameischter nehmen's mit Gelassenheit


Der "Zeitgeist" ist auf jeden Fall eine super schöne Route, die für jemanden der den 8. Grad beherrscht absolut empfehlenswert ist. Während dem Klettern kann man immer ein tolles Panorama in die Ammergauer Berge und das Alpenvorland genießen.

Durch das niedrige Gipfelniveau der "Krähe" war es hier auch im September noch nicht zu kalt, obwohl die Sonne nicht mehr in die Wand scheint. Die abwechslungsreiche, meist steile Kletterei mit guter Absicherung haben die Erstbegeher in den 90er Jahren schon in weiser Voraussicht passend mit dem Namen "Zeitgeist" betitelt.


Routendaten:

Kletterlänge: ca. 270m

Schwierigkeit: 8 (8-/8 obl.)

Absicherung: gut mit Bohrhaken, kleine Cams und evtl ein paar Klemmkeile zur zusätzlichen Absicherung sehr ratsam



Grüße Jakob und Justus

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