"Via Jonas" am Hermannskarturm

Aktualisiert: 2. Okt 2020

Schon länger hat mich die Beschreibung der Via Jonas am Hermannskarturm im Kletterführer angelacht. "Sehr gut eingerichtete Kletterei in gutem Hauptdolomit mit flottem Auftakt und furiosem Finale". Außerdem sticht der Hermannskarturm einfach richtig imposant aus der Landschaft heraus. Nur wirklich als Ziel hatte ich sie mir bisher noch nicht vorgenommen, da der Aufstieg (3,5h) verhältnismäßig lang für die Kletterei ist.

Doch dann bot sich die Möglichkeit, da wir für ein Wochenende zum Klettern auf die Hermann-von-Barth Hütte gingen.


Hermann-von-Barth Hütte inmitten der Allgäuer Alpen

Die meisten Kletterer, die auf die Hermann-von-Barth Hütte gehen, nehmen sich die unzähligen Touren an der Wolfebnerspitze vor.

Das hat aber auch den Vorteil, dass man nicht allzu vielen Kletterern an der schönen Via Jonas am Hermannskarturm antrifft.


Hermannskarturm, der linke Turm, aus dem Birgerkar gesehen

So fuhren wir am Freitag dem 04.09. nach Elbigenalp ins Lechtal. Nach recht langem Anstieg, über einfache Wanderwege erreichten wir die schön gelegene Hermann-von-Barth Hütte.

Nach kurzem Stopp an der Hütte gingen wir weiter auf dem Wanderweg in Richtung Kemptner Hütte. Nach einer viertel Stunde erreicht man einen Gratrücken, von dem man den imposanten Hermannskarturm zum ersten mal richtig zu Gesicht bekommt.

Nach einer halbstündigen Querung durch das wunderschöne Birgerkar, erreicht man endlich den Wandfuss.

Nach kurzer wegloser Querung Richtung Wandfuss, erreicht man den Einstieg.


Einstieg am unteren roten Pfeil, zweiter roter Pfeil: Großes zu querendes Band in Wandmitte

1. Seillänge (6-) 30m

Die erste Seillänge (6-), ist eher etwas plattig, und befindet sich hinter dem markanten Grat direkt am Einstieg. Diese 30m lange Länge, ist super abgesichert und relativ homogen, lediglich kurz vor dem Stand, wenn man wieder die Kante erreicht, wird es etwas leichter.




2. Seillänge (5+) 30m

Die zweite Länge (5+), hält sich dann meistens an der immer weniger ausgeprägten Kante, bis man den Stand inmitten der Wand erreicht.

Diese Seillänge ist ebenfalls wieder wunderschöne und gut abgesicherte Kletterei in festem Fels.



3. Seillänge (5+) 20m

Auch diese Länge beginnt wieder mit sehr schöner Kletterei, wobei diese kürzere Seillänge im letzten Teil dann durch ein paar Schrofen führt. Aufgrund den ersten beiden echt schönen Seillängen, die wir richtig genießen konnten, tun die Schrofen nicht so sehr weh.



Das zu querende Band in Wandmitte

Nach diesen ersten sehr gelungenen Seillängen, folgt das große Band um von dem unteren Wandteil zum Oberen zu kommen.

Diese 50m Schrofenquerung ist unschwierig und kann auch mit einem Bohrhaken gesichert werden.



5. Seillänge (5+) 25m

Nach der unschwierigen Querung folgt wieder wunderschöne (Platten)Kletterei im oberen 5. Grad. Ab hier klettert man dann auch am eigentlichen Turm, in meistens festem Fels.


6. Seillänge (5+) 25m

Auch diese Seillänge bewegt sich wieder im 5. Grad und ist ebenfalls ein reiner Genuss, obwohl diese Seillänge zum Teil ein wenig brüchig ist. Wenn man aber bisschen aufpasst, wird auch diese Länge gut überwunden.


Schöne Kletterei am Turm, hier: beim Abseilen über die Route

7.& 8. Seillänge (4/5) 50m

Nach den ersten beiden Seillängen im oberen Wandteil, folgten eine 4rer und eine 5er Länge, die wir kurzerhand zusammenfassten, da sie nicht allzu lang und auch nicht allzu schwer waren. Jedoch reichte unser 50m Doppelseil nur gerade so, mit 60m ist es hier auf jeden Fall angenehmer.



9. Seillänge (6+) 20m

Die recht kurze Abschlussverschneidung ist mit Sicherheit die Schwierigste aber auch mit die schönste Länge der ganzen Tour. Wie heißt es nicht so schön, ``Das beste kommt zum Schluss``. 20m schöne und feste Verschneidungskletterei, bis man den Ausstieg erreicht, dennoch sollte man für diese Länge auf jeden Fall nochmals die Kräfte mobilisieren, denn sie ist für ihre 20m doch recht anstrengend.


Oben angekommen, könnte man entweder über den Normalweg vom Hermannskarturm absteigen (brüchig, 2), oder die Überschreitung zur Hermannskarspitze mitnehmen, was sicher sehr lohnend ist.

Da es aber schon etwas später war entschieden wir uns für das Abseilen über die Tour.

Man gelangt nach 3 Abseillängen auf das große Band, von dem aus man dann wieder auf den Wanderweg gelangt.


Sonnenuntergang beim Rückweg zur Hermann-von-Barth Hütte

Fazit:

Richtig schöne Plaisirkletterei mitten in den Allgäuer Alpen, die sich auf jeden Fall lohnt.

Es ist zu empfehlen, die Tour mit einer Übernachtung auf der Hermann-von-Barth Hütte oder auch mit einem Biwak zu verbinden, um wegen dem langen Aufstieg noch eine weitere Tour (z.B. auch an der Wolfebnerspitze ) dranzuhängen.



Routendaten:

Kletterlänge: ca. 200m +50m Gehgelände

Schwierigkeit: 6+ und 6- (jeweils eine Länge), (5 obligat)

Absicherung: Plaisirabsicherung mit Bohrhaken und Kette zum Abseilen am Stand

Zustieg: 1200m



Grüße Max und Jonathan



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