• Justus

"Spiel der Geister" an der Trettach

Aktualisiert: 13. Aug 2020

Die Trettachspitze gehört zu den bekanntesten und imposantesten Gipfeln der Allgäuer Alpen. An schönen Sommertagen wird sie über ihre Grate häufig bestiegen, die wenigen Kletterrouten hingegen werden sehr selten begangen. Das "Spiel der Geister" (UIAA 7) ist die bekannteste Route an der Trettach und bietet tolle Kletterei in alpinem Ambiente.


Zustieg über den Einödsberg

Zur Wand gelangt man über verschiedene Wege, entweder über das Waltenberger Haus und dann zur Trettach querend oder über den Einödsberg und dann etwas absteigend und querend (Weg im Bild rechts unten erkennbar) unter die Wand. Egal wie man es macht es sind immer ca. 1500 hm.

Unter der Wand muss man in einer Rinne mit leichter Kletterei noch ca. 100 hm bis zum Einstieg zurücklegen.


Auf dem Weg in die Zustiegsrinne.

An der markanten Einstiegsverschneidung ist eine Schlinge angebracht.

Die erste SL ist nicht besonders schwer, dafür etwas brüchig und mit nur einem Bolt und ein paar alten SU-Schlingen schlecht gesichert, hier könnten Cams bis Gr. 3 helfen, allerdings ist fraglich ob der Fels um die Risse halten würde.


Die Einstiegsverschneidung, die zum Schwarzer Riss gehört, führt auch ins "Spiel der Geister"

Weiter geht's über kompakten Fels nach oben in einen brüchigen Überhang. Hier ist die Absicherung schon deutlich besser.


Reiner in der zweite SL wenige Meter vor dem Stand

Ab hier wird der Fels dann richtig gut und es geht in die erste schwere SL, die im Führer als Schlüssellänge bezeichnet wird, wir finden alle 4 folgenden SL gleich anspruchsvoll und würden sie mit ca. 7-/7 bewerten. Es handelt sich immer nur um kurze schwierige Stellen, die Kletterei ist nicht sehr anstrengend, sondern eher schwer zu lesen und manchmal technisch anspruchsvoll.

Die erste schwere SL führt schräg rechts ansteigend über eine tolle raue Platte und dann sehr steil senkrecht nach oben zum Stand.


Hier wird der Fels super und die Kletterei sehr schön.

Der obere Teil der ersten schweren SL im Nachstieg.

Die nächste Seillänge quert ca. 10m nach links und geht dann aufwärts über ein kleines Dach zum nächsten Stand.


Reiner kurz vor dem nächsten Stand.

Ich komme durch tollen, griffigen Fels nach.

Von hier geht es ziemlich senkrecht nach oben, in dieser SL sind die Bolts nicht immer gut zu sehen. Am nächsten Stand wartet das Wandbuch, in das wir uns als erste dieses Jahr eintragen durften (und das Mitte August!).


Im Nachstieg kurz vor dem Wandbuch. Tief unten die Rinne vom Zustieg.

Und schon kommt die letzte Seillänge, die weiter senkrecht nach oben führt und nach einem kleinen Dach nach links auf den NW-Grat führt.


Noch ein letzter schön griffiger Überhang...

... und gleich ist man am Grat.

Über den NW-Grat erreicht man in leichter Kletterei (ca. 3-) in ca. 20 min den schroffen Gipfel der berühmten Trettach.


Am Grat kurz unterm Gipfel.

Das "Spiel der Geister" ist eine tolle Tour auf einen der bekanntesten Gipfel des Allgäus.

Sie bietet ab der 2. Seillänge sehr guten Fels, bei ausreichender Absicherung und eine hervorragende Aussicht auf das Herz der Allgäuer Alpen.

Allerdings hat die Route nicht grundlos in 23 Jahren erst 77 Begehungen.

Der Zustieg ist mit ca. 1500 hm sehr weit und teils sehr anspruchsvoll. Auch die erste SL fordert einen sicheren Vorsteiger, hier sollte man keinen Fehler machen.

Außerdem ist der Abstieg über den Grat nicht ganz leicht und Abseilen über die Route macht wenig Sinn, da man anschließend die Rinne absteigen müsste, was auch nicht angenehmer ist. Ein Rückzug bei Wettersturz wäre also problematisch.

Bei stabilem Wetter erwartet hier denjenigen, der den Ansprüchen gewachsen ist, eine sehr schöne Route auf einen der eindrucksvollsten Gipfel des Allgäus.


Die NW-Wand der Trettach am Abend.

Grüße Justus


Auch durch die Trettach-Ostwand führen mittlerweile moderne Routen, eine davon, den "Orientexpress" findet Ihr HIER.

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