• Jakob

Schusterführe (6+) am Hochwiesler

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Klettern am Hochwießler


Der Hochwiesler ist eigentlich nur ein Vorgipfel der Roten Flüh. Doch für Kletterer hält er eine der kompaktesten Südwände der Tannheimer Berge bereit. Die viel begangenen Touren sind überwiegend sehr gut eingebohrt und reichen vom 5. bis in den 10. Schwierigkeitsgrad. Zur Wand gelangt man vom Parkplatz der Gimpelhaus Materialseilbahn über den Wanderweg zum Gimpelhaus und dann an der Abzweigung hinter der Hütte Richtung Hochwießler. Zustiegszeit zum Einstieg ab Parkplatz etwa 1,5h.


Die Schusterführe


Eine besonders lohnende Kletterroute im oberen sechsten Schwierigkeitsgrad ist die „Schusterführe“ im zentralen Wandteil.  Die Route beginnt in eigenständiger Linienführung eigentlich erst auf dem markannten band in Wandmitte. Dort befindet sich der erste Standplatz an einer gut sichtbaren Sanduhrschlinge. Dorthin gelangt man entweder über die erste Seillänge der Via Anita (rote Varriante), welche dann kurz vor dem Stand dieser Route nach rechts auf's Band verlassen wird um den ersten Standplatz der Schuster zu erreichen. Alternativ kann man aber auch schneller ostseitig, seilfrei auf das Band klettern (blaue Varriante), was nur kurz Kletterei im 2./3. Grad verlangt.

Die Schusterführe, eine logische und lohnende Route mit geschickter Linienführung in dem sehr steilen, zentralen Wandbereich

1. (richtige) Seillänge (UIAA 6-):

Zunächst geradewegs nach oben, nach etwa 5m aber links queren ( nicht geradeaus weiter, dort stecken zwar auch einige Bohrhaken, doch die gehören zur 2.Seillänge vom Polarstern) und wieder geradeaus hoch zum 2. Stand.


Simon bei einer Begehung, bei der wir den Einstieg über die Via Anita gewählt haben. Hier quert er gerade übers Band zum ersten Standplatz der Schusterführe.

2. Seillänge (UIAA 6):

Vom Standplatz aus ansteigend über eine monströse Sanduhr mit gut sichtbarer Seilschlinge, dann rechts haltend weiter ansteigen bis man in leichteres Gelände kommt. Dieses wird in einem großen Rechts-Quergang durchquert bis man zum Standplatz vor der Schlüsselseillänge kommt, der sich kurz vor der Kante an einem Ringhaken befindet.


3. Seillänge (UIAA 6+):

Man verlässt man den Stand nach rechts und befindet sich sofort in sehr ausgesetztem Gelände. Die etwa 3m lange Querung ist kleingriffig und mit zwei sehr eng beieinanderliegenden Bolts extrem gut gesichert. Sie endet aber in einer verzwickten Verschneidung, durch die man sich irgendwie durchwursteln muss. Dann erreicht man wieder leichteres Gelände das geradewegs nach oben führt. Der nächste Stand liegt etwas links um die Kante rum, kann man kaum verfehlen.


Simon am Ende der 3. Seillänge

4. Seillänge (UIAA 6):

Die Vierte Seillänge führt über eine Platte rechts einer Verschneidung und ist mit UIAA 6 sicher nicht zu knapp bewertet. Hier muss man wirklich sauber stehen und auch ein paar kleine Griffe festhalten. Die Platte ist ziemlich ausgesetzt, am besten geht man sie nach dem ersten Haken etwas rechtshaltend an der Kante, dort finden sich einige gute Griffe. Den vorletzten Stand erreicht man einige Meter nach der Platte, dieser ist sehr groß und bequem.


Ropesolo auf der Platte in der 4. Seillänge, ziemlich ausgesetzt


5. Seillänge (UIAA 6):

Die letzte Seillänge ist wirklich eine der schönsten am Hochwießler und bietet steile, technische Kletterei an zunächst unverschämt großen Griffen. Der Ausstiegsriss ist nochmal etwas anstrengender, hier kann man man einen soliden 0,75er Camalot unterbringen, wenn man den alten Fixfriend der dort hängt nicht clippen will. Obacht, der letzte Standplatz kommt schneller als man denkt. Dieser befindet sich etwa 3m unterhalb der Gratkannte der Hochwießlergipfels an einem einzelnen Bühlerhaken.



Abstieg:

Vom Gipfelgrat über Trittspuren Westwerts absteigend zur Abseilpiste. Nach zwei luftigen Seillängen ist man wieder am Wandfuß.


Routendaten:

Wandhöhe: ca. 180m

Kletterlänge: ca. 220m

Absicherung: alle Standplätze sind gebohrt, gebohrte Zwischenhaken mit teils etwas weiteren Abständen, optional ein paar Klemmkeile und mittlere Cams zur Verringerung weiter Hakenabstände

Charakter: Die Schusterführe ist ein typischer Tannheimer-Klassiker. Gut eingebohrt, fester Fels und schöne Kletterpassagen über Platten, Verschneidungen, Risse und auch direkte Wandkletterei an großen Griffen ist dabei.

Verhältnisse: Die Route trocknet nach Regen oder Schneefall recht schnell ab.

Aktueller Wetterbericht



Ich finde die Tour genial, weil man sie fast immer klettern kann und sie wirklich tolle Kletterpassagen zu bieten hat. In der sonnenexponierten Südwand ist es im Winter wie im Sommer angenehm warm, man klettert eine logische Linie in festem Fels und für den oberen 6. Schwierigkeitsgrad ist die Tour wirklich ausgesetzt und echt ein schönes kleines Erlebnis. Die Hakenabstände sind natürlich etwas weiter als an der Zwerchwand. Hier kann man in entspanntem Terrain üben selbst mobile Sicherungen zu legen, da sich die Haken auf die schweren Kletterstellen konzentrieren und dort für exzellente Absicherung sorgen.


Wenn jemand Fragen zur Route hat, einfach die Kommentarfunktion benutzen, ich helfe gern;)


VG Jakob



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