• Justus

"Südverschneidung" (6+) an der Roten Flüh - Die einzige Pause-Extremtour im Allgäu

Als einzige Route im Allgäu und Tannheimer Tal hat es die "Südverschneidung" an der Roten Flüh unter die "100 Routen im extremen Fels", den berühmten Auswahlführer für die damals schwersten Routen der gesamten Alpen, von Walter Pause geschafft. So hat dieser Extremklassiker zu Recht eine große Bekanntheit erlangt. Die Route führt in direkter Linie durch den zentralen Wandteil der Roten Flüh auf deren Gipfel. Wie es sich für einen richtigen Klassiker gehört, ist die Route natürlich entsprechend abgeklettert und teilweise speckig, doch das birgt auch einen Vorteil: sie ist bestens ausgeputzt. Außerdem bewegt man sich meist in steiler, griffiger Kletterei, sodass es nicht ganz so schlimm ist, wenn der ein oder andere Griff schon recht glatt ist.

Die Route ist auf jeden Fall noch immer eine der Besten im Tannheimer Tal im 6./7. Grad und ein Muss für jeden Besucher der Südwände über dem Gimpelhaus.


Links die Südwand der Roten Flüh, mittendrin die Tannen.

Da die Orientierung an der Roten Flüh, aufgrund vieler sich gegenseitig kreuzender Routen, nicht ganz leicht ist, versuche ich hier eine möglichst genau Beschreibung der Route darzustellen. Ich habe die Route selbst schon einige Male mit verschiedenen Partnern und verschiedenen Varianten gemacht, sodass sich die Leute auf den Bildern oft unterscheiden, nicht wundern!


Los geht es üblicherweise mit dem Direktzustieg zu den Tannen in Wandmitte, wo die eigentliche Route beginnt.

Der Einstieg befindet sich in einer Rissverschneidung, an derer rechten Wand geklettert wird (5-). Erst geht es etwas rechts, dann ins flache nach links. Hier befindet sich ein Stand, den wir aber immer auslassen und gleich weiterklettern rechts aufwärts zum nächsten Stand (15m? weiter). Dies ist aber nur mit einem 60m Seil ratsam und der Seilzug ist auch ganz ordentlich, dafür ist man schneller.


Die zweite Seillänge (5+) führt nun gut sichtbar gerade nach oben auf ein Band. Achtung: Nicht rechts in den Kamin klettern, das ist die "Alte Südwand".


Los gehts in die 2. SL, nicht rechts in den Kamin gehen

Nun kommt eine kurze Verbindungslänge (3) zu den gut sichtbaren Tannen, wo unter dem bekannten "Gelben Riss" der Stand ist.


Die 3. Länge gibt nicht so viel her

Jetzt geht es aber richtig los. Der "Gelbe Riss" ist eine der beiden schwersten Längen der Route und man ist sich uneinig, welche schwerer ist. Sicher ist: beide sind schwer, vor allem für 6+. Ein moderner Plaisirkletterer würde hier locker und guten Gewissens einen 7er hinschreiben, aber es handelt sich ja um einen Extremklassiker, also passt scho! Vom Stand zum ersten Haken ist gleich eine gute Konzentration und sauberes Stehen verlangt, wer sich unsicher ist, kann auch einen 3er Cam rechts in den Riss legen, stört aber den Seilverlauf. Anschließend geht es in toller, steiler Kletterei hinauf, bis man ins Flache kommt.

Achtung: Hier nicht rechts der Rampe folgen, der Stand ist eher links an der nächsten steilen Wand oben. Im "Gelben Riss" ist die Absicherung gut, A0 ist aber nicht viel zu holen, an einer Stelle ist auch Mobiles gut einsetzbar.


It so leicht, der Gelbe Riss

Schaut bröslig aus, ist aber definitiv gut ausgeputzt

Nun geht es erstmal vom Stand etwas fallend quer nach links in leichteres Gelände, auf das dann eine tolle Verschneidung (6-) folgt. Auf einem Pfeilerabsatz ist dann wieder Stand.


Kurze Querung nach links...

... dann kommt man zu dieser Verschneidung.


Vom Stand geht es nun sportlich rechts aufsteigend weg (6) in eine leichte Verschneidung, in der sich oben ein sehr bequemer Stand befindet, den wir immer nutzen und dann eine kurze SL (6-) nach links queren. Die beiden SL werden oft als eine angegeben, es geht aber um ein Paar Ecken und der Stand ist bequem, also kann man auch ruhig 2 SL draus machen.


Die Querung nach links zum Stand.

Nach der eben beschriebenen links-Querung kommt nun die zweite 6+, auch nicht leicht für ihren Grad. Sie ist weniger Steil, dafür aber sehr technisch. In der Mitte dieser SL befindet sich auch das Wandbuch, in dem aber meist kein Stift ist. Stand ist dann auf einem Band.


Diese SL ist nicht gut einzusehen, weshalb die Bilderauswahl recht begrenzt war...

Hier endet die eigentliche Route und man hat die Möglichkeit nach links aus der Wand zu queren und so auf den Gipfel zu gelangen, oder man klettert die letzen beiden SL des "Spiderman"(beide ca. 5 aber nicht ganz fest).


Die "Südverschneidung" an der Flüh ist auf jeden Fall einer der Top Klassiker im Gebiet, denn sie ist steil, exponiert, sinnvoll abgesichert und bietet viele tolle Kletterstellen. Allerdings sollte man im 6. Grad nicht voll am Limit sein, wenn man die Route genießen will, da die Bewertung hart ist und die Route nicht (mehr) A0 kletterbar ist. Dank dem allgemeinen Vorteil der Tannheimer Südwände mit warmen Temperaturen bis spät ins Jahr, kann man hier auch im Herbst noch schöne Klettermeter sammeln.


Routendaten:

Kletterlänge: ca. 300m bis auf den Gipfel

Schwierigkeit: 6+

Absicherung: gut mit Bohrhaken, manchmal können kleine Cams sinnvoll gelegt werden


Grüße Justus mit verschiedenen Begleitern aus dem Team



Die etwas leichtere und alpinere "Südostwand" an der Roten Flüh findet ihr hier.


Wenns auch etwas schwerer sein darf, empfiehlt sich die "Schwarze Mamba" ganz vorne an der Roten Flüh.

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