Rote Flüh & Gimpel Winterbesteigung

Aktualisiert: 31. Juli 2020

In den letzten Wochen haben sich die Gipfel der Allgäuer Berge langsam weiß gefärbt und somit wieder andere Aktivitäten ermöglicht. Dies haben wir natürlich gleich genutzt, um Marie zum 1. Mal (und Reiner und Justus zumindest das 1. Mal diese Saison) die Steigeisen anzuziehen. Die Rote Flüh ist hervorragend geeignet, um erste Steigeisenerfahrungen zu sammeln, da verschiedene Geländearten begangen werden können, ohne einer großen Gefahr ausgesetzt zu sein.

Links Rote Flüh und rechts Gimpel vom Fuß des Schäfers gesehen.

Ungefähr 100 hm unterhalb der Judenscharte haben wir uns die Steigeisen angezogen. Bevor es dann weiter in Richtung Gipfel ging, haben mir Justus und Reiner die Basics erklärt und viele hilfreiche Tipps vorab gegeben. Die ersten Schritte waren zwar etwas ungewohnt, aber ich habe ziemlich schnell gefallen daran gefunden!

Zuerst haben wir geübt durchs Gras, welches mit Pulverschnee bedeckt war, ein paar Meter abseits vom Weg hoch zu laufen, so dass ich ein Gefühl dafür bekomme, wie gut Steigeisen bei solch einem Gelände halten und es ist echt unglaublich wie sicher man sich fortbewegen kann. Mit normalen Bergstiefeln wäre das undenkbar gewesen. Nach ein paar kleinen Serpentinen sind wir dann auch schon an der Judenscharte angekommen.


Auf dem Weg in die Judenscharte.

Teil zwei des Crashkurses bestand nun darin zu verstehen, wie man Steigeisen am Fels benützt. Anfangs ein komisches Gefühl, wenn man mit seinem vollen Körpergewicht auf nur zwei dünnen Zacken in einem ziemlich schmalen Felsriss steht. Ein ziemlich großer Kontrast zum Klettern mit Kletterschuhen. Nach ein bisschen Bouldern waren dann die eisigen Steinstufen kein Problem!


Maries erster Felskontakt mit Steigeisen.

Weiter oben, wo man selbst im Sommer immer ein bisschen Kraxeln muss, kam dann auch mal der Eispickel zum Einsatz. Wieder etwas abseits vom Normalweg führte mich Justus sicher durch steileres Gelände und erklärt mir wie und wann ich den Eispickel am besten einsetzte. Wieder ein mal bin ich sehr fasziniert, wie gut die Steigeisen und der Eispickel mich nach oben geleiten. Wobei zugegebenermaßen das Entfernen der Haue aus einem Grasbüschel echt nicht immer so leicht ist. Und schon waren wir auf dem Gipfel der Roten Flüh.


Etwas abseits vom Weg im kombinierten Gelände.


Endlich wieder Sonne.

Nach ein paar vorweihnachtlichen Lebkuchen haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht.

Während ich unterhalb vom Gimpel die Aussicht und Sonnenstrahlen genoss, haben sich Reiner und Justus noch dem anspruchsvolleren Teil unserer Tagestour gewidmet und sind auf den Gimpel gegangen.


Der Normalweg auf den Gimpel leitet zuerst über eine SO-seitige Rampe bis auf den Gipfelgrat des Gimpels. Im unteren Teil der Rampe sind einige Kletterstellen zu überwinden, hier liegt aber selten Schnee und wenn ist er meist gut trittfest. Am Gipfelgrat ändert sich der Charakter der Route, da man nun auf die Nordseite des Berges wechselt.


Reiner am Gipfelgrat des Gimpel, im Hintergrund die Kellenspitze.

Hier liegt meist mehr Schnee, der dieses Mal sehr pulvrig war und den darunterliegenden plattigen Fels verdeckte, sodass jeder Tritt beim Spuren mühsam gesucht werden musste. Hier ist große Vorsicht geboten, da man sich durch steiles, kombiniertes Gelände über Abbrüchen bewegt.


Knapp unterm Gipfel.

Der plattige Fels musste immer wieder auch umgangen werden, weil man keine Tritte gefunden hat.

Der Abstieg erfolgt über dieselbe Route.


Abstieg vom Gimpel.

Diese Tour bietet im Winter sowohl für Anfänger (Rote Flüh) als auch Erfahrene (Gimpel) sehr gute Möglichkeiten sich an die winterlichen Bedingungen und das Equipment zu gewöhnen.

Besonders für Neulinge bietet die Rote Flüh perfektes Übungsgelände, das Gras, kombiniertes Gelände und einen drahtseilversicherten Felsteil beinhaltet. Die Anforderungen können auch einfach ein paar Meter neben dem Weg erhöht werden.

Zudem ist die Tour bei fast jeder Schneelage durchführbar, da wegen der großteils sehr sonnigen Hänge selten zu viel Schnee liegt, der nicht trägt.


Routendaten:

Höhenmeter: 960 auf Rote Flüh + 250 auf Gimpel (Für Erfahrene!)

Hangexpositionen: S, O, N


Wie bei jeder Tour im Winter, ist natürlich die Lawinenlage zu berücksichtigen!


Grüße Reiner, Marie und Justus


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