• Jakob

Kronjuwel an der Freispitze

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Die massive Südwand der Freispitze im Lechtal ist schon ein beeindruckendes Teil. Riesig, steil und ausgesprochen hoch überragt sie sogar die nicht minder respekteinflößende NO-Wand des Heelzapfens direkt gegenüber. Beim Anblick dieser gewaltigen Szenerie kamen wir schon ein bisschen ins Grübeln, ob unser Zeil, eine der längeren, schweren Routen der Wand frei zu klettern, für uns zwei Stöpsel nicht ein bisschen hoch gegriffen war. Objekt der Begierde war dabei das Kronjuwel (8- ; E3- ; 400m), eine wirklich beeindruckende Linie aus den 80er Jahren, die uns wie erwartet einiges abverlangte.



Den Einstieg zu finden war leicht. Einfach ein Stück die Mergelrippe hoch bis in Falllinie unter das markante Dach in dem sich die Schlüsselstellen des Kronjuwels befinden.



Noch schnell die Wasserreserven am Schneefeld aufgefüllt, dann Startet Jo in die wunder schöne, schier endlose erste Seillänge. Ein souveräner Onsight war das. Macht Mut für den Rest der Tour.

Unser Plan: Nachsteiger - Sherpasystem

Die darauf folgende Schlüsselseillänge wäre sicher auch sehr fotogen gewesen, aber Jakob hatte hier schon genug zu kämpfen, darum entstanden hier aus Sicherheitsgründen leider keine Aufnahmen;)

Weiter geht's mit ein paar Bildern aus dem etwas leichteren, aber dafür umso anspruchsvoller gesicherten Mittelteil.


Jo in einem nicht gerade plaisirmäßig eingerichteten 6er

In diesen von den Erstbegehern als "leicht" eingestuften Seillängen kann man ganz befreit 40m am Stück Klettern, ohne einen Haken einhängen zu müssen. Die meisten der geschlagenen Zwischenhaken halten sowieso keinen Sturz mehr. Aber zum Glück hatten wir viele Cams und Keile dabei...Sicherheit geht vor. Das gilt auch für die schweren Seillängen in der Headwall. In der zweiten 8- legte Jakob einen kleinen Camalot anstatt eine extrem durchgewetzte Schlinge zu klippen, die unter dem Gewicht einer Expresse sicher sehr leiden würde.

Aber im Großen und ganzen ist die Absicherung schon okay. Gerade an den schweren Stellen findet man unerwartet viele Bohrhaken, die mit Abnahme der Schwierigkeiten eben zurückgehen. Nach getaner Arbeit beschließen auch wir die die letzte kurze Länge bis aufs Mergelband nicht mehr zu klettern und in 6 langen Seillängen zum Einstieg der "Schreck/Heel" ab zu seilen, um uns den langwierigen Fußabstieg zu ersparen.

Obacht, teils gruselige Abseilstände aus alten Schlingen und bis zu 2 Normalhaken.

Abendstimmung am Parseier, dem einzigen 3000er des Lechtals. Da müssen wir heuer auch mal noch rauf!

Abseilen ging schnell, trotz der nicht gerade gut ausgebauten Abseilpiste, geplättet und stolz unsere Route geschafft zu haben machen wir uns bei schwindendem Licht auf den Heimweg.


Routendaten:

Wandhöhe: ca.380m

Kletterlänge: 11SL. ca. 420m

Schwierigkeit: 8-

Ernsthaftigkeit: E3-


Grüße Jo und Jakob

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