• Jakob

Klettern am Ende der Welt

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Das "Finistère"ist der westlichste Regierungsbezirk Frankreichs und natürlich nicht das Ende der heute bekannten Welt. Doch dem lateinischen Ursprung des Wortes zu folge, "finis terrae" = Ende der Welt, dachten die alten Römer wohl, dass sich hinter den schier endlosen Weiten der bretonischen Atlantikküste, einem der westlichsten Punkte Europas, kein Land mehr befindet.

- Ein Gedanke, dem man sich auch nicht ganz entziehen kann, wenn man zum ersten mal über die Dünen tritt. Die weitläufige Küste, die sich abwechselnd aus flachen Sandstränden und hohen Granitklippen vor einem aufbaut, scheint gleich auf den ersten Blick wie ein mächtiges Bollwerk vor den gewaltigen Fluten des Atlantiks.

Wegen denen kommen eigentlich auch die meisten Leute hier her, wegen den Fluten. Das Wasser ist türkisblau und ideal zum Surfen, Segeln und Fische fangen.

Doch auch hier gibt es geniale Klettermöglichkeiten, wenn man mal davon absieht, dass noch fast nichts erschlossen ist. Mit den ersten bretonischen Boulderern begann die Erschließung einiger Blöcke und bald endstand eine kleine Boulderszene rund um die Küste, mit eigenem Outdoorwettkampf in "Kerlouan".

Wirklich klettern haben wir hier noch niemanden gesehen, obwohl die bis zu 13m hohen Klippen auch Potential für einige coole Routen bieten würden.


So auch in "Lesconil", einem lebhaften Fischerdorf mit besonders vielen hohen Felsen, dem wir seit Langem immer wieder einen Besuch abstatten. Auch wir sind eigentlich immer zum Surfen und Segeln hier, aber da wir schon in den letzten Jahren immer wieder ein bisschen gebouldert und geklettert sind häufen sich so langsam die von uns erschlossenen Tradclimbs und Boulder. Um den Überblick zu behalten haben, wir diesen Beitrag verfasst, der die Topos unserer Erschließungen rund um den "pointe de godoule" enthält. Darunter 12 Boulder von 5c bis 7a+ (ein noch ungelöstes Problem, das etwa 7b+ sein dürfte gibt´s auch noch) und 7 Tradclimbs von 5a+ bis 6b (ein ungelößtes Projekt, ungefähr 7a+).

Zu den Bouldern. Es befinden sich 9 Blöcke am Strand von Lesconil, an denen wir uns jeweils 1 bis 3 Boulder erschlossen haben. Natürlich gibt es neben unseren 12 Problemen noch weitere, die schon von anderen geklettert wurden (die meisten davon gehen auf den Boulderclub Quimper zurück) und solche, die noch niemand gemacht hat.

Hier eine kleine Auswahl unserer Linien:

Der "Kantenblock" bietet einen schönen 5c Boulder und ein paar schwerere Varianten dazu




Die "Pyramide" ist mit 6b schon etwas schwieriger. Ziemlich kleingriffig, was untypisch für das sonst so sloperlastige Gebiet ist


An diesem "Würfel" befindet sich einer der schönsten boulder im Gebiet. Steil, technisch und ca 6a


Der "Tisch" beitet mehrere Linien an. Blau 7a / Rot 7a+

Das bretonische Bouldern ist wirklich einzigartig. Ich kenne wenige Gebiete, die so viele geniale, lange Linien in problemlosen Absprunggelände zu bieten haben. Das Ambiente ist beeindruckend, das Wetter sehr beständig und der Fels extrem rau.


Das Seilklettern ist auch einzigartig und ein bisschen speziell. Für uns sind die bis zu 13m hohen Klippen zum echten Klettergarten geworden, doch das war Arbeit. Denn Bohrhaken sind hier überhaupt nicht angebracht. Die roten Felsen der bretonischen Atlantikküste sind etwas derart beeindruckend schönes, dass es ein echter Frefel ist irgend eine fixe Sicherung in ihnen zurück zu lassen. Außerdem ist es wahrscheinlich kein Vergnügen Löcher in den monumentalen Granit zu bohren, der selbst durch die ständige Brandung kaum erodiert. Weniger als einen Millimeter verlieren die Felsen in 100 Jahren Sturmflut.


Man muss also selbst für mobile Absicherung sorgen. Wenn man erstmal die richtigen Placements ausgetüfftelt hat, ist die Kletterei aber relativ save. Brüchigen Fels gibt´s hier nicht. Vorsicht! Die Schwierigkeiten sollten gut beherrscht werden, Selberlegen kostet Kraft und Nerven. Wer hier nicht mit mobilen Sicherungsmitteln umgehen kann, kann auch gleich auf das Seil verzichten! Vom Material her reichen meistens 6 Cams (BD-Größen von 0,25-3), Keile in allen Größen und einige Schlingen (Köpfl und Sanduhren sind ganz hervorragend) Hier ein paar unserer Tradclimbs (bitte entschuldigt die gezeichneten Placementangaben):

Die "Kippe" 6a+ / 7m



"Zwergenofwith" 6a /6m ; "Topropeplatte" 6c / 6m

Kolja im "Zwergenofwith"

Der "Dinofuß" 6b / 13m

Das Klettern um Lesconil ist, obwohl es eine große Bandbreite an Herausforderungen bietet und umfassendes Kletterkönnen erfordert, nix für ehrgeizige Sportkletterer, oder Alpinisten. Große Projekte sind das alles nicht und das Spektrum an erschlossenen Linien ist auch nicht besonders groß.

Die Qualität der Kletterrei ist aber absolut einzigartig, genau wie das maritime Ambiente.

Dise Region ist absolut empfehlenswert, wenn man etwas Neugier und Entdeckergeist mitbringt. Für alle begeisterten Kletterer ein großartiger Spielplatz.


Unsere Intention war anfangs nur das Klettern nicht zu verlernen, während wir uns um etwas zu regenerieren auch mal anderen Aktivitäten, wie dem Surfen widmen. Als wir aber dann irgendwann eine beträchtliche Anzahl an Klettermöglichkeiten erschlossen hatten merkten wir, dass die Bretagne auch den Kletterer in uns glücklich macht und echt immer eine Reise Wert ist.


LG Kolja und Jakob


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