• Justus

"Klassische Ostwand" am Schneck

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Der Schneck, weit hinten im Ostrachtal, ist schon sehr früh von Kletterern entdeckt worden. Der sonst aus steilen Grasflanken bestehende Berg bietet eine ca. 250m hohe Ostwand, die teilweise für Allgäuer Verhältnisse besten Fels aufweist. Derzeit sind fünf Routen eröffnet, die älteste und bekannteste ist die "Klassische Ostwand (260m, 6+)", die bereits 1922 erstbegangen wurde und somit lange Zeit eine der schwersten existierenden Routen war. Die Route ist bekannt für ihr seit der Erstbegehung durchnummeriertes Wandbuch, in dem einige Spitzenkletterer ihrer Zeit wie z.B. Anderl Heckmair (5. Begehung) zu finden sind.

Die Route bietet tolle und teils erstaunlich moderne Kletterei im 6. Grad.


Der Schneck gegen die September-Sonne am Nachmittag.

Die Route startet mit der Schlüsselseillänge direkt am linken Rand der markanten Höhle am Wandfuß. Diese Seillänge ist, wie die gesamte Wand, sehr steil und weißt einzig- und eigenartigen Fels auf. Unten ist der Fels noch nicht ganz so solide, wird im Lauf der Seillänge aber immer besser.

Zum ersten Bolt sollte man sich seiner Sache schon sicher sein, danach sind die Hakenabstände etwas geringer. Die Kletterei fordert gute Übersicht und Ausdauer, harte Einzelstellen gibt es nicht.



Los gehts in die erste Seillänge.

Marie in der ersten Seillänge.

Die zweite Seillänge führt schräg rechts aufwärts, wo ein kurzer anstrengender Überhang zu überwinden ist, bevor man in leichtes Gelände und zum nächsten Stand gelangt. In dieser Seillänge steckt nur ein Bolt, aber einige Normalhaken, die durch mobile Sicherungen ergänzt werden könnten.


Die zweite Seillänge startet in perfektem Fels.

Die Querung wird in der nächsten Seillänge fortgeführt, bevor es wieder nach links aufwärts in eine eindrucksvolle überhängende gelbe Verschneidung geht. Wir fanden die Seillänge mit 5+ etwas hart bewertet. Auch hier steckt nur ein Bolt und sonst Normalhaken. Friends sind gut einsetzbar. Am nächsten Stand befindet sich das berühmte Wandbuch.


Marie in der Verschneidung.

Im Wandbuch sind alle Begehungen seit der Erstbegehung vor fast 100 Jahren nachzulesen.

Weiter gehts in den bekannten, sehr ausgesetzten Quergang (UIAA 6), der vom Stand nach links durch eine sehr steile, griffige Wand führt. Anschließend geht die Seillänge noch ca. 10m aufwärts zum nächsten Stand.


Los gehts an guten Griffen in die steile Querung.

Hier hat man ordentlich Luft unter den Sohlen.

Nach dem Quergang gehts noch ein Stück nach oben.

Von hier geht es links ansteigend auf einer grasdurchsetzten Rampe links aufwärts, hier sind wenige Sicherungen vorhanden, kurz vor dem nächsten Stand kommt dann ein Bolt, an dem wir voreilig Stand gemacht haben, der Stand ist noch 3m weiter, aber von unten nicht sichtbar.


Dann gehts noch kurz quer nach rechts über einen Überhang in Schrofen, wo noch 2 Normalhaken stecken, dann gehts ins Steilgras, das bei unserer Begehung noch etwas feucht war, was das Ganze schnell unangenehm macht.

Wenn man am letzten Stand ist, kann man entweder auf Grasbändern nach links aus der Wand auf den Normalweg queren, oder man quert 15m einfach nach rechts zum Stand des "Schneckgespenstes" und klettert noch 2 SL auf den Gipfel.


Oben im "Schneckgespenst".

Absteigen kann man entweder über den Normalweg des Schneck, oder man seilt vom Gipfelgrat durch die Nordwand ab.


Wem die "Klassische Ostwand" zu leicht ist, der findet in der Nachbarroute "Das Graue Element"(UIAA 8) sicher eine tolle Herausforderung.

Allerdings machen der lange Zustieg inklusive Radeln jede Kletterei hier oben anstrengend und anspruchsvoll. Als Tagestour ist Klettern am Schneck immer wieder auch eine konditionelle Herausforderung.


Kletterlänge: ca. 200 m + ca. 80 m im Schneckgespenst oben

Schwierigkeit: 6+


Grüße Marie und Justus

157 Ansichten0 Kommentare