• Jakob

Höllhorn Südgrat (4+)

Der Südgrat am Höllhorn ist eine der wenigen Alpinrouten im Allgäu die verhältnismäßig leicht sind. Trotzdem ist die Kletterei ausgesetzt und landschaftlich kaum zu toppen. Der Grat beginnt direkt auf dem Hornbachjoch und verläuft genau auf der deutsch-östereichischen Grenze. Über sieben schöne, kurze Seillängen die bestens mit Bohrhaken abgesichert sind, erreicht man den Gipfel des südlichen Höllhorns auf 2149m, der in Mitten von Höfats, allgäuer Hauptkamm, der Wildengruppe und dem wunderschönen Oytal eine geniale Rundumsicht quer durch die Allgäuer Berge bietet. Der Abstieg über die Nordflanke und später unter der Ostwand ist schnell bewältigt und gut zu gehen. Doch die Entfernung des Höllhorns zum nächsten Ort schreckt viele ab, sodass man hier meistens völlig alleine klettern kann, wenn man den drei Stunden langen Zustieg durch's schöne Oytal mit Radeln und Laufen auf sich nimmt. Der Fels ist überwiegend fest, nur eine richtig brüchige Seillänge insgesamt eine extrem empfehlenswerte Tour.


Schroffer Berg, das südliche Höllhorn

Routendaten:

Grathöhe: 150m

Kletterlänge: 280m

Schwierigkeit: 4+

Absicherung: gute Absicherung mit Bohrhaken, optional kann man auch zusätzlich Schlingen, Cams oder Keile legen

Abstieg: nordseitig über ein Geröllfeld runter zur Scharte zwischen den beiden Höllhörnern und unter der Ostwand durch, zurück zum Hornbachjoch

Erstbegeher: O. Huber und H. Richter 1920



Der Einstieg ist vom Hornbachjoch in zwei Mintuten zu erreichen und kaum zu übersehen. Die Route beginnt etwas rechts der Gratkante.

Zustieg:

Von Oberstdorf mit dem Fahrrad in etwa einer Stunde durch's Oytal bis zur Käseralpe. Danach geht's zu Fuß weiter Richtung Wildenfeld und an der Wildenfeldhütte angekommen rechts hinter zum Hornbachjoch. Dabei kommt man unter der gewaltigen Südwestwand des Kleinen Wilden durch. Über zwei der Routen an dieser Wand, die Wildenverschneidung und das Wildendach findet ihr auch jeweils einen Tourenbericht in unserem Routenbuch. Dann gelangt man auf das Hornbachjoch und kann links über eine kurzes Wiesenstück zum Beginn des Höllhornsüdgrats queren. Der Einstieg ist gut erkennbar rechts der Gratkante. (ca. 3h ab Oberstdorf)


Durch's Oytal zu radeln ist ein gutes Warmup für die Route, das Panorama ist vom ersten Moment an super super

Das Hornbachjoch und die Jochspitze, die dem Höllhorn gegenübersteht

1. Seillänge (4+):

Der Orginaleinstieg wurde durch Blitzeinschlag leider so verunstaltet, dass man beschloss diese Seillänge rechts der Kante einzurichten, die nach dem brüchig gewordenen Gratabschnitt wieder auf den Grat führt und dort endet.


Das Panorama ist auch in der ersten Länge super;)

2. Seillänge (4):

Sehr ausgesetzt und wunderschön zu klettern. Aufgrund der riesigen Griffe, die man hier findet aber nicht so schwierig.


Wirklich schöne Kletterei an dieser Stelle, der Fels ist auch fest

3. Seillänge (4+):

Zunächst etwas rechts der Kante, dann geht es auf dem Grat leichter weiter. Sehr schöne Kletterei in überwiegend festem Fels.


Ali sichert am Standplatz

4. Seillänge (3+):

Anfangs wird ein steiler Aufschwung links an einem guten Riss umgangen, anschließend auf den Pfeiler geklettert und auf der anderen Seite des Pfeilers geht's wieder runter zum Stand.


Ali verschwindet um die Ecke, diese Seillänge geht echt kreuz und quer

5. Seillänge (3):

Kletterei über einen sau brüchigen Gratabschnitt, etwas unangenehme Verbindungslänge.


Geniale Aussicht, auch hier im Bruchhaufen

6. Seillänge (4+):

Eine der schönsten und ausgesetztesten Seillängen der Tour. Zunächst geht's linkshaltend in schöner Wandkletterei hinauf zu einem schmalen Querband, dem man nach rechts zum sehr exponierten Standplatz folgt.


Hier ist der Fels wieder bestens

6. Seillänge (4+):

Anfangs gleich sehr steil, danach weit links ausqueren und auf ein schuttband kraxeln, auf dem sich der Standplatz befindet.


7. Seillänge (3+):

Einer Kante rechts vom Stand folgen und auch oben immer rechts am Pfeiler halten (nicht rechts des Pfeilers) um wieder auf Haken zu stoßen. Der nächste Stand ist bereits auf dem Gipfel.


Abstieg:

Das nordseitige Geröllfeld bis zur Scharte zwischen südlichem und nördlichem Höllhorn runterfahren / runterlaufen. Die scharte in vorangegangener Abstiegsrichtung rechts verlassen und unter die Ostwand absteigen. Unter der Ostwand kann man unschwierig zum Hornbachjoch zurückqueren. (ca. 30 min)


Ali beim Abstieg vom Gipfel

Unsere Begehung am 10.7.2020

Ali hatte mich schon lange mal gefragt, ob ich ihm bisschen was zum Mehrseillängenklettern beibringen kann und dafür mit ihm eine Tour klettern wolle. Natürlich war ich gerne dabei und auf der Suche nach einer Tour, die sowohl leicht, als auch einigermaßen spektakulär ist stieß ich auf den Höllhorn Südgrat. Den hatte ich schon öfters gesehen als ich am Kleinen Wilden Klettern war und der Zustieg durch's Oytal ist so genial, dass ich hier immer gerne herauf komme, egal welche Tour es zu klettern gibt. Außerdem ist Ali alpin sehr erfahren, es gab also keinen Grund sich eine reine Bohrhakenpiste aus zu suchen. Früh morgens starteten wir in Oberstdorf und radelten hoch zur Käseralpe. Das ist teilweise recht anstrengend, lohnt sich aber auf dem Rückweg doppelt und dreifach. Die Wanderstrecke zum Hornbachjoch steht landschaftlich der Radelstrecke in nichts nach, sehr beeindruckend ist die Südwestwand des Kleinen wilden in der sich einige der schwierigsten Felsklettertouren des Allgäus befinden. Auf dem Joch angekommen machen wir kurz Pause und genießen die Aussicht die vom Lechtal bis nach Oberstdorf reicht. Von der darauf folgenden Klettertour waren wir positiv überrascht. Der Fels war fester als gedacht, die Kletterei machte Spaß und war sehr gut mit Bohrhaken ausgestattet. Trotzdem muss man im leichten Gelände die Orientierung behalten. Die schwierigen Passagen kann man gut klettern ohne große Stürze in kauf nehmen zu müssen, hier ist die Absicherung beinahe plaisirmäßig. Die Aussicht ist die ganze Zeit über super, man steht oft total exponiert auf dem Grat und klettert bis zum Gipfel immer wieder Stellen die sehr steil und schwierig aussehen und dann doch gut aufgehen. Der Abstieg bis zu den Rucksäcken viel uns sogar in Kletterschuhen leicht, bis zu den Rädern bedienten wir uns verschiedener Geröllfeder zum hinunterfahren und die Radelei fing auch gut an, doch dann wich auf halber Strecke Luft aus dem Hinterreifen von Alis Fahrrad. Also, entweder langsam Fahren oder Fahrrad mit Federung nehmen! Oder, in unserem Fall schieben. Trotzdem war es für uns eine echt gelungene Tour, die wir nur weiterempfehlen können.


VG Ali und Jakob

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