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Familienbande (8+) an der Fallenbacherspitze

Aktualisiert: 29. Juli 2020

Klettern an der Fallenbacherspitze


Die Südwände der Fallenbacherspitze im Lechtal haben eine Vielzahl alpiner Kletterrouten in überragendem Fels zu bieten. Die meisten davon wurden von den "Pepperfreaks" erstbegangen, einer Klettergruppe der ersten Stunde aus dem Allgäu, die die Fallenbacherspitze zu ihrem Hausberg gemacht haben. Während die kurzen Routen der niederen Südwand meist klettertechnisch relativ leicht sind und kaum Bohrhaken aufweisen, findet man in der großen, ca. 250m hohen Gipfelwand auch ein paar schwierigere Touren die mit Bohrhaken gesichert sind. Auch an der weniger kompakten und flacheren Südostwand, die dem Gipfelaufbau vorgelagert ist, finden sich einige leichtere Routen. Der Zustieg von Bach durch's Alperschontal ist aber ziemlich weit, alle Routen am Berg sind anspruchsvoll, die Bewertung der Routen fällt nicht zu knapp aus und mit mobiler Sicherung muss man in jedem Fall umgehen können. Dafür ist man hier meistens alleine unterwegs und hat eine echt geniale Wand mit wirklich einzigartigen Routen für sich.


Die Route "Familienbande"


Die "Familienbande" wurde 2000 von der Familen-Bande Schafroth erstbegangen und ist damit eine der jüngsten Routen an der Hauptwand. Pro Jahr wurde die Tour in der darauf folgenden Zeit durchnittlich höchstens ein bis zwei mal wiederholt, der Fels ist also noch bestens. Mit einer 8+ Seillänge beinhaltet sie die höchsten Kletterschwierigkeiten an den Fallenbachern und wurde drum auch ordentlich mit Bohrhaken abgesichert. Die Stände sind grundsolide, immer mit zwei, mindestens einem Bohrhaken ausgestattet. Die Zwischenhaken sind ebenfalls gebohrt, haben aber weite Abstände und befinden sich ausschließlich an noralgischen Punkten. Dazwischen muss man, auch in den schwierigen Seillängen selbst für Absicherung sorgen. Die Orientierung in den Seillängen ist aufgrund der regelmäßigen Hakenabstände nicht so schwierig. Mit Wandbild und Topo lässt es sich auch gut vermeiden aus Versehen in eine der beiden benachbarten Routen "Orgie im Fels" oder "Mondfinsternis" ab zu biegen, mit denen sich die "Familienbande" je einen Stand teilt. Ein Rückzug der Route ist mit der Opferung einiger Kettenglieder zwar möglich, aufgrund der scharfkantigen Felsstruktur aber eher schlecht für's Seil. Vor der Schlüssellänge kann man aber auch in die "Orgie im Fels" (7+) ausweichen oder am Wandbuch nach der 6. Seillänge über die "Mondfinsternis" (7) verkürzt aussteigen.


Wandbild / Topo

Routendaten:


Wandhöhe: ca. 250m

Kletterlänge: ca. 275m / 9 Seillängen (SL)

Schwierigkeit: 8+ nicht A0 möglich, achter Grad obligat

Absicherung: Standplätze gebohrt, Zwischensicherungen durch Bolts an noralgischen Punkten

Material: 60m Halbseile, Cams & Keile, 10 Expressen, einige Schlingen oder Alpinexen zum Verlängern mindern Seilzug etwas

Erstbegeher: Michael, Jürgen, Conny, Wind, und Waldi Schafroth

Weitere Informationsquelle: Paniko Alpinkletterführer Lechtaler Alpen



Zustieg


Von Bach im Lechtal mit dem Mountainbike Richtung Madau und weiter ins Alperschontal bis zur Alperschonalpe. von dort dem Weg zur Ansbacher Hütte durch die Klamm bis in den Talschluss folgen und anschließend westlich, weglos durch einen Latschenhang hinauf zum Plateau unter den Fallenbacher-Wänden. Von hier aus erreicht man den Einstieg der Route innerhalb einer Viertelstunde über das der Wand vorgelagerte Geröllfeld. Dieser befindet sich an einem Bohrhaken, der auf Bodenhöhe unterhalb der großen, orangenen Platte die in einem Dach ausläuft. (ca. 3h ab Bach)




1. Seillänge (7+):

In der ersten Seillänge geht's vom Boden diagonal rechts haltend Richtung rechte Dachkante weg gleich richtig los. Die Kletterei ist mit 7+ ziemlich treffend bewertet, die Hakenabstände sind hier noch relativ human und man muss keine mobilen Zwischensicherungen legen. Insgesamt sehr schön zu klettern ist die erste Länge anhaltend technisch und endet auf einem kleinen Absatz über der Dachkante an einem Standplatz mit zwei Bohrhaken (Plättchen, keine Klebehaken, kein Kettenglied). Der Fels ist überragend.



2. Seillänge (7-):

Die zweite Seillänge ist ebenfalls treffend bewertet, aber nicht so anhaltend wie die erste. In einem großen Linksbogen geht's empor zum Standplatz unter der Schlüsselseillänge, welchen sich die Route mit der benachbarten "Orgie im Fels" teilt. Zu dieser Route sind die ersten beiden Seillängen der "Familienbande" ein guter Direkteinstieg. Die "Orgie im Fels" geht dann aber links weiter. Die Hakenabstände sind in der zweiten Seillänge ebenso human wie in der ersten und der Fels ist fest.




3. Seillänge (8+):

Die Schlüsselseillänge beginnt mit der rechtsseitigen Umgehung eines Überhangs. Dort den Bohrhaken unbedingt mit einer 120cm Bandschlinge verlängern, sonst wird's oben raus arg. Danach steht man auf einem kleinen Absatz vor der Platte durch die ein feiner Riss hindurch zieht. Dieser Endet in einem etwa 20cm breiten Querband, das das Ende der Höchstschwierigkeiten darstellt. Auf der Platte befindet sich ein Bolt mit Schlinge, dort geht es kleingriffig und kleintrittig, karft- und hautraubend zur Sache. Die Schlüsselstelle A0 zu überwinden dürfte kaum möglich sein, auch wenn man den Haken mit der Schlinge aus einer guten Position heraus klippen kann. Vom Band aus lässt sich ein Camalot 2 in die rechte Rissverschneidung legen, durch die man einige Meter aufsteigt um an deren Ende in einem Rechtsbogen den Standplatz zu erreichen. Dieser ist mit zwei Bolts, einer Schlinge und einem Kettenglied gut eingerichtet.





Andi in der Schlüsselstelle

Jakob vor dem ersten Bolt, es empfiehlt sich am rechten Ende des Daches einen Camalot zu platzieren.

4. Seillänge (7):

Auch wenn das schwerste nun schon hinter einem liegt, diese Seillänge verlangt noch einmal höchste Konzentration und Körperbeherrschung. Der Fels ist unglaublich gut, eine total raue, wasserzerfressene Platte, mit einigen Löchern und Strukturen die eine technisch anspruchsvolle Linie ergeben. Es stecken nur 4 Bohrhaken auf etwa 35m, der erste und zweite Hakenabstand lassen sich jeweils durch einen Camalot 1, bzw. 0,3 entschärfen, der dritte muss zwingend geklettert werden. Das kann recht unangenehm sein, da das klar die schwierigste Stelle der Seillänge ist und man recht wacklig ohne richtige Griffe auf der Platte steht, ziemlich weit weg vom letzten Haken. Insgesamt beschreibt die Linie einen Rechtsbogen, vom Stand unter einem Dach querend etwa 8m zum ersten Bolt, von dort aus geradewegs nach oben.






5. Seillänge (5+):

Kurze, etwas brüchige Seillänge, die diagonal, rechtshaltend entlang eines Risses empor zieht. Ein Bolt steckt.



6. Seillänge (6+):

Eine der schönsten Seillängen der Route, an deren Ende sich das Wandbuch befindet. An diesem Standplatz trifft die Linie mit der "Mondfinsternis" zusammen, über welche man verkürzt rechts aussteigen kann (nur 1SL statt 3). Die Länge beginnt mit einem cleanen Riss zum selber absichern, führt über einen Bauch an dem sich ein Bohrhaken befindet und endet schließlich vor einer gelben Platte, die man nach dem Bauch rechtshaltend erreicht. Die Felsqualität ist hier wieder sehr gut. Der Standplatz der "Orgie im Fels" liegt verführerisch nah links, es geht aber noch weiter rechts nach oben.



7. Seillänge (7):

Zunächst links unter der Platte durch zu einem Riss wo ein Camalot 1 Platz findet dann geradewegs anstrengend zum Bohrhaken hoch piazen und über eine leichtere Platte zum Standplatz. Der Fels ist ausgesprochen gut.



8. Seillänge (2):

Von Standplatz aus durch Mergelschrofen rüber laufen zum Standplatz vor der letzten Seillänge. Dieser befindet sich links auf einem Absatz.


Jakob auf dem Absatz, rechts vom Standplatz

9. Seillänge (6+):

Last but not least gibt's eine wunderschöne Platte, die mit zwei Sanduhrschlingen ausreichend gesichert ist, man kann problemlos einige weitere Placements anbringen.

Der Fels ist sehr gut, der letzte Standplatz befindet sich an einem großen Block im Gehgelände unterhalb des Gipfels. Diese Seillänge ist auch der Ausstieg der "Orgie im Fels".



Abstieg


Vom Ausstieg westlich über Geröll zum Gipfel und über den breiten, plattigen Westgrat absteigen, bis zu einer Rinne, die links haltend wieder unter die Südwand und zurück zum Plateau führt. Von dort aus wieder durchs Alperschontal zur Alpe absteigen und nach Bach runter rollen. (ca. 3h ab Ausstieg)


Weg vom Ausstieg zum Gipfel

Andi auf'm "Westgrat"

Abstieg durch die Rinne

Unsere Begehung am 19.7.2020


Am Sonntag den 19.7.2020 machten Andi und ich uns gut ausgeschlafen um halb 10 vom Parkplatz in Bach mit m Radl Richtung Madau auf. Durch das einsame und wunderschöne Alperschontal gelangten wir zur Alperschonalpe, wo wir die Räder stehen leisen und zu Fuß durch die Klamm in den Talschluss wanderten. Von dort aus kraxelten wir in recht eigenwilliger Linienführung durch Latschen, Geröll und Sturzbäche hoch zum Plateau unter der Fallenbacherspitze. Das ist nicht weiter zu empfehlen, aber wir hatten es eilig, es war ja nicht mehr so früh am Tag. Schnell die Flaschen am Bach aufgefüllt und ab durch's Geröllfeld an den Wandfuß. Der Einstieg der Route "Familienbande" war leicht zu finden, die erste Seillänge eher ein Kaltstart, ging aber gut onsight, die zweite ebenso. Das Boulderproblem in der Schlüsselseillänge fanden wir recht hart für 8+, dafür ist es aber kurz und mit einer Pause konnte ich mir alles gut anschauen und dann frei durchklettern. Obenraus musste man zum ersten mal selber legen, da die Schlussverschneidung dieser Seillänge nicht übermäßig abgesichert ist und auch etwas nass war. Hier sind die Schwierigkeiten dafür nicht mehr so hoch. Leider hat sich Andi in der Schlüssellänge den Finger aufgerissen, woraufhin ich die nächste Seillänge, einen ziemlich ordentlichen 7er vorstieg. Die Hakenabstände waren dort recht weit und ließen sich nur zum Teil mit mobilen Placements entschärfen. Der Fels war dafür gigantisch, eine raue Platte mit einigen coolen Strukturen und technische Kletterzügen weit über dem Haken, was mich dazu veranlasste vorsichtshalber noch eine Zweite Pause in dieser Route ein zu legen, denn ein Sturz hier könnte fatale Folgen haben, vor allem weil man hier kein Netz hat und Abseilen aufgrund der scharfen Felsstrukturen ziemlich unangenehm wäre. Mit der wiedererlangten Kraft spreizte ich weit links aus, legte die Hände auf die Platte und setzte den rechten Fuß vorsichtig nach, dann konnte ich wieder einen Griff erreichen. Das war ein wirklich interessanter Balance-Boulder in noch interessanterer Entfernung zum letzten Bolt. Die anschließende Fünferlänge durfte Andi im Vorstieg genießen, doch der Genuss war von kurzer Dauer, denn nach fünfundzwanzig Metern kam bereits der Standplatz. Die 6+ war dann wieder richtig genial, ein Riss zum selber absichern und eine kurze Steilstufe führten mich am Standplatz der "Orgie im Fels" vorbei und weiter zu unserem Stand, wo sich auch das Wandbuch befindet. Dieses ist für die Routen "Familienbande" und "Mondfinsternis" gedacht und trotz zwanzigjähriger Lagerung immer noch nicht ganz bis zur Hälfte mit Einträgen gefüllt. Die "Familienbande" hatte jedes Jahr aller höchstes ein bis zwei Begehungen, was der Schönheit der Route und der gesamten Bergtour eigentlich nicht gerecht wird. Der Bartgeier, der etwa in Wandmitte recht knapp am Andi vorbeisegelte, wird bestätigen können, dass sich hier selten jemand hin verirrt, ganz verwirrt hat der ausgschaugt;) Doch bis zum Gipfel waren es immerhin noch drei Seillängen. Die erste davon, einen weiteren 7er packte Andi an. Ein kurzer aber nasser Piaz führt ihn auf eine Platte und weiter zum Standplatz. Dann lief ich durch die vorletzte Seillänge, ein 2er. Andi kam schnell hinterher und ich machte mich an die letzte Länge (6+), die gemeinsam mit der Orgie im Fels verläuft. Diese war nochmal richtig schön, ein purer Genuss. Als wir oben waren, waren wir ziemlich erleichtert, dass es die ganzen fünf Stunden über nicht geregnet hat, als wir in der Wand waren. Auf dem Gipfel zogen immer wider Wolken durch und wir hatten es eilig runter zu kommen. Doch die großen Regenwolken blieben, wie immer an Parseier und Freispitze hängen und wir bekamen gerade mal drei Tropfen ab. Beim Abstieg unter die Wand und weiter ins Alperschontal wählten wir abermals einen etwas unorthodoxen Weg, der uns aber über Geröllfelder schnell hinunter in der Talschluss brachte. Auf dem Rückweg zum Radl überquerten wir zwei mal den Alperschonbach, wobei zwei verschiedene Techniken zum Einsatz kamen. Andistyle, einen Schuh ausziehen, Barfuß ins Wasser, dann mit m andren Haxen, wo d Schuh no dran isch in am großen Schritt 's andere Ufer verfehlen und a anschließender Hechtsprung ins Trockene mit ausgezeichneter Haltungsnote. Und natürlich mein altbewehrter Jakobstyle, einfach glei mit allem Drum und Dran durch d Bach latschen. Ergebnis isch ähnlich, die Eleganz natürlich Geschmackssache. Am Radl angekommen gings ratzfatz in ner halben Stunde zurück nach Bach. Insgesamt a super Tour für alle, die ner tollen Landschaft und nem konsequentem Absicherungsstil genauso viel abgewinnen können wie der reinen Kletterschwierigkeit. Wir fanden's echt total klasse, Respekt den Schafroths für's Erstbegehen dieser Linie. Schaut doch mal auf allgäufilm.de vorbei, dort gibt's richtig gute Filme über unsere heimischen Berge von Jürgen Schafroth. In "Luft unter den Sohlen" wird sogar besonders das Klettern an der Fallenbacherspitze zur Erstbegeherzeit thematisiert.


Viele Grüße Jakob und Andi





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