Erstbegehung - "Schattenspiel" am Seeköpfle

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Das Gebiet rund um die Memminger Hütte ist eher für schöne Wanderungen über die Seewieseen und den Fernwanderweg E5 bekannt. Mit dem Klettern war es hier nie weit her, kein Wunder, bisher gab es ja auch nur 2 kleine Klettergärten in der Nähe der Hütte.

Alpine Kletterrouten suchte man hier vergeblich, was uns auf die Idee brachte, eine Route durch die NW-Wand des Seeköpfles zu legen. Die Linie sucht sich den längst möglichen Weg durch den besten Fels der Wand.


Zugang:

Ab Bach im Lechtal mit dem Mountainbike durch´s Madautal bis zur Talstation der Materialseilbahn, zu Fuß weiter bis zur Hütte. Von der Memminger Hütte aus Richtung Materialseilbahn Bergstation und dann über Geröll unter die Wand, die erhaben über den Seen im Kar trohnt. Hier sind noch ein paar Schrofen zu überwinden (blaue Linie), bevor man unter einer dunklen Platte steht und den ersten Bolt erreicht.


Wandbild:


Topo:


1. Seillänge:

Schwierigkeit: 6+

Länge: 55m

Absicherung: 3 Bolts, 2 Normalhaken, 1 SU-Schlinge

griffig und steil...was will man mehr

Das "Schattenspiel" steigt über eine steile, schwarze Platte ein, die etwa 20m hoch ist und an deren unterstem Absatz über den Schrofen der erste Bolt steckt. Hier Befinden sich die Hauptschwierigkeiten der 1. SL, darum setzte Jakob hier auch 2 Bolts.

Wenn man dem Cliff vertrauen kann geht das Bohren leicht von der Hand

Die übrigen 35m bis zum Stand sind wesentlich leichter, aber immer noch schön zu klettern, sodass hier unsere selbst geschmiedeten Normalhaken zum Einsatz kamen. Auch der Fels ist hier noch tadellos.

2. Seillänge:

Schwierigkeit: 5-

Länge: 55m

Absicherung: 3 Bolts


Die zweite Seillänge bietet weniger schöne Kletterei und hat eher den Zweck, die Wandteile mit gutem Fels zu verbinden. Es geht erstmal vom Stand geradeaus nach oben auf eine Wiese, dann auf dem Grasband weiter in eine Schlucht, die in möglichst festem Fels ausgequert wird. Anschließend geht es etwas aufwärts auf ein Band das erst nach rechts ausgequert wird, um dann links ansteigend den Stand zu erreichen. Dieser befindet sich in einer markanten gelben Verschneidung. Hier empfiehlt es sich die Haken lang einzuhängen um den Seilzug etwas zu vermindern.


Jakob kommt in der 2. SL nach, Justus ist am nächsten Stand über der Schlucht.

Der Fels ist in dieser Seillänge leider etwas brüchig, wir haben aber das meiste ausgeräumt, so gut es ging. Die Steine fallen aber alle in die zu überquerende Schlucht, der Sichernde und das Seil sind nicht in Gefahr. Auch der erreichte Stand ist absolut steinschlagsicher.


Nachdem Justus diese SL eingebohrt hat, haben wir noch schnell Fixseile installiert und dann abgeseilt. Die erste SL wurde in der Zwischenzeit schon gründlich von Simon und Nick geputzt.

Noch schnell über das Geröllfeld absteigen und schon sind wir an der Hütte und verbringen hier einen gemütlichen Abend.


Am nächsten Morgen sind wir sehr früh gestartet, da der Wetterbericht nichts gutes vermuten lies. Wir sind also an den Fixseilen zum 2. Stand aufgestiegen, haben die Seile mitgenommen und uns aufgeteilt: Jakob bohrt die nächste SL, Justus sichert und Nick und Simon gehen auf den Gipfel und seilen von oben zu uns ab, um den besten Fels zu suchen und anschließend die Route auszuräumen.


3. Seillänge:

Schwierigkeit: 7-/7

Länge: 30m

Absicherung: 5 Bolts

Auf der Suche nach einer Leiste für einen sicheren Cliff nach der Schlüsselstelle

Die dritte ist die luftigste der vier Seillängen. vom Stand nach der 2. Seillänge geht es zunächst durch leicht brüchigen, aber dennoch steilen Fels links haltend nach oben in Richtung der markanten Platte. Doch bevor man diese erreicht muss noch eine sehr steile und kleingriffige Passage von etwa 2 Metern überwunden werden, die die Schlüsselstelle der Route darstellt. Aufgrund der etwas zweifelhaften Felsqualität setzte Jakob hier 2 Bolts, um das Risiko eines weiten Sturzes in einen unangenehmen Bruchaufen etwas zu entschärfen. Leider entschärft sich dadurch auch die obligate Schwierigkeitsbewertung der Route (etwa 6+), da die schwersten Klettermeter nun A0 überwunden werden können.

Bitte trotzdem frei klettern, Sportsfreunde!!!


Fertig gebohrt, nur noch 7m, dann kann Jakob endlich Stand machen

Auf der Platte angekommen steigert sich die Felsqualität enorm und mit ihr die Hakenabstände. Die Linie ist so gewählt, dass sich auf der etwa 18m hohen Platte 2 Bolts befinden, die den Kletterer dazu verleiten sollen entlang eines schmalen Risses durch die Platte zu gehen, der auch Platz für ein paar optionale Placements bietet. Leichter wäre es gewesen links in der Verschneidung zu bleiben, doch diese ist brüchig und eigentlich immer nass, wohingegen die schwerere Platte wunderschöne Kalkkletterei im oberen sechsten Schwierigkeitsgrad bietet.

Der vierte Stand befindet sich genau am Ende selbiger Platte, direkt unter dem Gipfel. Sehr exponiert.


Von der Hütte aus lassen sich die Kletterer auf der markanten Platte der Schlüssellänge gut erkennen

4. Seillänge:

Schwierigkeit: 6+

Länge: 45m

Absicherung: 4 Bolts, 1 SU-Schlinge


Die vierte Seillänge bietet immer wieder schöne Kletterpassagen in schönem Fels, die ab und an durch kleine Bänder unterbrochen werden.

Zuerst geht es leicht linkshaltend in den bestmöglichen Fels zum ersten Bolt, kurz davor kann auch ein Cam Gr. 3 platziert werden, ist aber nicht unbedingt nötig.

Justus setzt den ersten Bolt der 4. SL

Weiter geht es geradeaus zu einer SU-Schlinge und anschließend links durch eine kleine Verschneidung (Cam 1 einsetzbar) zum nächsten Haken.


Von diesem Haken gehts erst leicht rechtshaltend durch festen Fels, dann links unter einem Bauch hindurch. An seinem linken Rand wird dieser überwunden, und man erreicht die letzte Platte, die direkt auf den Gipfel führt.


Die letzte steile Platte während der Erstbegehung.

Im letzten festen Fels unter dem Gipfel befindet sich der letzte Stand.


Abstieg:

Am einfachsten steigt man vom Gipfel über den Normalweg ab. Man kommt aber nicht mehr am Wandfuß vorbei, also am besten alles mitnehmen.

Ein Rückzug aus der Route ist immer möglich:

-Aus der ersten SL kann zurück zum Einstieg abgeseilt werden.

-In der 2. Seillänge kann über der Schlucht ausgequert werden in das Joch zwischen Seeköfle und Vorderer Seekopf, zu dieser Querung kann auch aus den oberen SL abgeseilt werden.


Insgesamt bietet die Route vielseitige Kletterei durch Platten, Risse und kleine Überhänge. Die Felsqualität ist insgesamt gut, mit kurzen brüchigeren Passagen, die wir so gut es ging ausgeputzt haben. Das Highlight ist sicher die schon von unten auffällige große kompakte Platte.

An den schweren Stellen stecken Bohrhaken, mobile Sicherungen können nur teilweise zusätzlich angebracht werden (siehe Topo). Wir verwendeten eher wenige Bohrhaken und setzten nur einen Bolt, wenn es zwingend erforderlich war. Bei einer Wiederholung schadet es nicht den 7. Grad zu beherrschen, um sich im Schattenspiel auch wohl zu fühlen.


Routendaten:


Länge: 185m Kletterlänge

Schwierigkeit: 7-/7 eine Passage, 6+ obl.

Absicherung: 15 Zwischenbohrhaken (10mm, Edelstahl), 2 SU-Schlingen, 2 Normalhaken,

alle Standplätze sind mit 2 Bohrhaken ausgestattet, Cams bis Gr. 3 können

eingesetzt werden, evtl. Klemmkeile

Erstbegehung: Nick Fröhlich, Simon Baumberger, Jakob Scheiter, Justus Huith

am 14.+15.08.2019


Wir würden uns sehr über Rückmeldung von Wiederholern freuen (einfach als Kommentar an diesen Beitrag anheften) und wünschen euch viel Spaß beim Klettern.


Grüße Jakob, Justus, Marie, Simon und Nick




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