• Justus

"Blinde Welt" an der Freispitze

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Die Freispitze bietet mit ihrer stellenweise 500m hohen Südwand eine der größten Wände der Lechtaler Alpen. Hinzu kommt eine hervorragende Felsqualität, auch im flacheren Gelände. Die "Blinde Welt" gehört zu den längsten Routen und führt ziemlich direkt durch die kompakte Wand.


Bereits der Zustieg gestaltete sich anspruchsvoll, da unter der Wand oft sehr lange noch viel Schnee liegt und man erst mal die Randkluft überwinden muss, um an den Standplatz zu gelangen.

Um an den ersten Stand zu gelangen ist oft eine große Randkluft zu überwinden.

Dann geht es gleich richtig in einer eher sparsam gesicherten 7er Länge los, die uns mit noch kalten Fingern und Füßen recht hart vorkam.

Die erste SL ist gleich ordentlich schwer und eher spärlich gesichert.

Dann führt die 2. SL in die Schreck-Heel und mit ihr gemeinsam zum nächsten Stand.

Die 2. SL ist besser abgesichert.

Nun führt die "Blinde Welt" eigenständig etwas schräg-links haltend in steiler Kletterei 2 SL lang durch sehr raue Platten und Risse.

Es folgt weiterhin steile Kletterei an Rissen...

... und durch steile Platten


Man folgt einem Risssystem.

Die Abstände der Fixpunkte können auch größer ausfallen.

Alle Schlingen, die als Fixpunkte dienen, sind sehr alt und nutzen eher der Orientierung als der Absicherung.

Die letzte schwere SL vor dem flacheren Mittelteil birgt für mich die schwerste Stelle, erst schlecht gesichert einen Riss hinauf, dann über ein schweres Dächlein in eine Platte hinein. Hier finden wir (und auch eine folgende Seilschaft) die Bewertung sehr hart.

Die für mich schwerste SL (7/7+, sehr hart bewertet).

Noch ein kleiner Überhang vom Stand weg und schon befindet man sich in den tollen Wasserrillen.

Auch eine 6- kann ganz schön schwer sein...

In den leichteren SL stecken kaum Bohrhaken, es wurde überwiegend mit SU-Schlingen abgesichert, die allerdings schon etwas älter sind (vermutlich noch von der Erstbegehung).

Sie halten sicher keinen Sturz mehr und wären mal durch jemanden sehr fleißigen auszutauschen ;)

Reiner kommt nach in den leichteren, flachen Teil...

... wo schöne Kletterei an Wasserrillen wartet.

Nach 4 leichteren SL (die 5er und 6er sollten dennoch nicht unterschätzt werden) wird die Wand wieder sehr steil und es folgt eine sehr schöne 7+ SL, erst quer über steile Platten und dann über Überhänge aufwärts.

In der ersten der beiden steilen SL (7+)

Dann folgt laut Topo die Schlüsselseillänge, die wir allerdings nicht schwerer finden als die vorherige SL.

Die Schlüsselseillänge laut Topo

Ausstieg aus der Schlüssel-SL

Die letzte Seillänge haben wir dann nicht mehr gemacht, da wir abseilen wollten, was in den Wasserrillen der letzten SL nicht optimal gewesen wäre.

Das Abseilen über die Route ist möglich, verlangt aber sehr gute Abseiltechnik, da es zeitweise sehr schräg geht. Außerdem muss man bei dem rauen Fels sehr darauf achten, dass man das Seil ohne verhängen gut wieder abziehen kann.

Abseilen über die Randkluft

Insgesamt ist die "Blinde Welt" eine tolle Tour, die schöne Kletterei in bestem Fels bietet und zu Recht im Buch "Moderne Zeiten" des Panico-Verlag aufgeführt wird.

Allerdings ist die Route auch sehr anspruchsvoll, da sie relativ lang ist und viele schwere Seillängen hat.

Außerdem ist die Absicherung anspruchsvoll gehalten, es sind weite Hakenabstände zu klettern und einiges auch selbst abzusichern. Friends Gr. 0,5-3,5 können gut gelegt werden.

Die Qualität der Fixpunkte ist sehr unterschiedlich, die alten Bohrhaken wurden in letzter Zeit gegen neue ausgetauscht, die Schlingen, Fixkeile... jedoch sind alle sehr alt.

In manchem Führer wird die Route mit 6+ obligat angegeben, was unserer Meinung überhaupt nicht passt, ein 7er ist zwischen den Haken schon zu klettern.

Wer also den Schwierigkeiten gewachsen ist findet hier eine hervorragende Route, die allerdings im sehr langen Zustieg und in der Kletterei ordentlichen Einsatz verlangt.


Kletterlänge: ca. 450m

Schwierigkeit: 7+/8-, (ca. 7 obl.)


Schöne Grüße Justus

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