• Jakob

"Bayrischer Traum" an der Schüsselkarspitze

Aktualisiert: 12. Nov 2020

Das beschauliche Schüsselkar an der Grenze zwischen Bayern und Tirol hat es für ein Klettergebiet weit gebracht. Nicht nur weil an den kilometerbreiten Wandfluchten eine Route nach der anderen emporziehen, hier wurde Klettergeschichte geschrieben. Mit dem "Bayrischen Traum" befindet sich dort zum Beispiel eine der allerersten alpinen Mehrseillängenrouten im achten Grad der UIAA Skala. Erstbegangen wurde diese Tour von den beiden bekannten bayrischen Kletterern Josef Heinl und Albert Gilgenrainer am 10. Oktober 1980 und noch im selben Jahr verwirklichte Freikletterpionier Kurt Albert die erste Rotpunktbegehung. Dieser schlug damals die Bewertung 8- vor, heute sagen manche, die Bewertung gehe in Ordnung, manche behaupten, die Schwierigkeiten seien viel höher. Der 2019 tragisch verunglückte Profi-Bergsteiger Hansjörg Auer, der die Tour im November 2011 freesolo kletterte meinte nur, dass irgendwas mit acht schon hinkommt.


Die Südwand Schüsselkarspitze

An der Schüsselkarspitze kann man eigentlich das ganze Jahr über Klettern, besonders gut ist es allerdings im Herbst, wenn die Südwand beste Kletterbedingungen bietet. Diesen Herbst machte ich mich mit Till auf ins Schüsselkar, um mal zu gucken ob's da wirklich so fein ist zum Klettern wie immer gesagt wird. Ich komm ja auch aus Bayern, drum war's irgendwie logisch erstmal den "Bayrische Traum" zu machen.


Die Routen hier oben lassen sich mit einer lässigen Mountainbiketour kombinieren

Ins Kar gelangt man von Leutasch aus, entweder zu Fuß durch's Puittal oder mit m Radl bis zur Wangalm und zu Fuß über's Scharnitzjoch in's Schüsselkar. Wir sind mit m Mountainbike bis auf's Scharnitzjoch, um nach unserer Klettertour das Puittal abfahren zu können. Den Einstieg vom "Bayrischen Traum" zu finden ist nicht schwierig, die erste Seillänge beginnt in einer leicht auszumachenden, kaminartigen Verschneidung. Wenn nicht gerade Schnee drüber liegt, befindet sich am Einstieg normal auch so ne Tafel.


Nach oben hin wird die erste Seillänge immer schwerer

1. Seillänge (7):

Die Kaminverschneidung ist sehr leicht zu Klettern, auch die Absicherung mit Friends und Keilen fällt nicht schwer. Nach 20m endet die Kaminverschneidung und man gelangt auf eine Platte, in der der erste Bolt steckt. Zum Stand hin wird die Kletterei dann allmählich immer schwieriger, es kommen noch einige Bohrhaken, doch deren abstände sind gar nicht so banal.


Till in der Platte der ersten Seillänge

2. Seillänge (4):

Erst hoch bis unter ein Dach, dann unter'm Dach nach rechts queren, der nächste Stand ist dann gleich um's Eck. Eine kurze Seillänge, die den brüchigsten Fels der Route aufweist, doch die Kletterei ist leicht. Es stecken Keine Haken.


Die zweite Seillänge ist ziemlich leicht und etwas brüchig.

3. Seillänge (6):

Eine tolle Lochplatte, die linkshaltend zum Stand führt. In den großen, ausgewaschenen Felslöchern der ansonsten sehr kompakten Platte wächst zum Teil Gras, was das Klettervergnügen in dieser Länge aber nicht mindern kann. Die Absicherung mit Bohrhaken ist recht regelmäßig.


Super Plattenkletterei in der dritten Seillänge

4. Seillänge (7):

Diese sehr Kurze Seillänge ist komplett mit Bohrhaken abgesichert, man braucht garnix selber legen. Dafür wartet am Ende der Plattigen Querung ein interessanter Boulderzug, den man machen muss um zum nächsten Standplatz zu gelangen.


Hier muss man überwiegend auf Reibung stehen

Dann kommt der Boulderzug. Man steht auf der Platte und muss weit aus einem Untergriff zu einem Henkel raufziehen.

Geschafft, ganz schön weit dieser Zug


5. Seillänge (6+):

Vom Standplatz weg muss man an kleinen Leisten zur markanten, 45m hohen Piazschuppe hinüberqueren. Diese führt dann steil empor zum nächsten Stand. Es stecken keine Haken, nur zwei wenig überzeugende Klemmblockschlingen baumeln aus dem Riss. Für eine wirklich zuverlässige Absicherung kann man über weite Strecken nur mit einem Camalot Größe 4 sorgen. Wenn man dieses Trumm nicht besitzt, oder nicht mitschleifen möchte, dann kann man sich durchaus mit zwei, drei guten Keilen oder Schlingen behelfen, man muss dann aber einige ordentliche Runnouts in kauf nehmen. Eigentlich eine reine Kopfsache, denn die Kletterei ist der großen Exposition zum Trotz sehr leicht. Eine echte Henkelparade, die nach oben hin noch einfacher wird. Nur im Mittelteil muss man die Schuppe kurz als Untergriff nehmen, was ein wenig Körperspannung erfordert. Danach hat man's eigentlich geschafft.


Schönes Bild, schöne Länge, schönes Wetter. Was fehlt? - der vierer Cam. Danke an Adam Rys für's Foto;)

6. Seillänge (7):

Klassische Kletterei durch einen abweisenden, gelben Wandteil. Fixschlingen, Klemmkeile und sogar ein Krabbelquergang, wirklich alles dabei. Keine schöne Kletterei, dafür wieder mit Bohrhaken.


Till am Anfang einer ziemlich langen Seillänge

Ich am Ende der langen 6. Seillänge

7. Seillänge (8-):

Diese Seillänge macht wirklich Spaß. Zuerst eine längere gut abgesicherte Boulderpassage vom Stand weg, dann leichtere Kletterei in einer wasserzerfressenen Platte und ein letztes Runnout zum nächsten Standplatz hin. Es stecken einige Bohrhaken, nur an der Schlüsselstelle fehlt die Lasche zu einem Bolt. Da die Hakenabstände dort sowieso sehr klein sind, stört das beim Freiklettern kaum. Es könnte allerdings verhindern, dass diese Passage auch A0 überwunden werden kann. Zur Bewertung, eigentlich komisch, dass die so umstritten ist. Wir sind selten eine Seillänge geklettert, auf die 8- so gut gepasst hat, wie auf diese.


Nachdem ich zwei Minuten vergeblich versucht hab eine Bandschlinge um den herausstehenden Überrest des fehlenden Bohrhakens zu pfriemeln hatte ich das Geduldsspiel satt und beschloss das Ding dann halt nicht ein zu hängen. Wenn man alles auf Anhieb klettern kann macht's eigentlich nix, wenn nicht ist's aber vermutlich blöd zum Ausbouldern/A0-Klettern

8. Seillänge (7-):

Diese Seillänge ist die letzte, wenn man den heute unüblichen Gipfeldurchstieg nicht machen möchte. Es geht noch mal 40m durch allerbesten Wettersteinkalk nach oben, mit Bohrhaken, welche einmal mehr größere Abstände aufweisen.



Abstieg:

Vom Standplatz nach der achten Länge einfach entlang der Route abseilen.


Halb 6 und es wird langsam dunkel. Wasch da los??!! Ja is denn jetzt schon wieder Zeitumstellung gewesen ohne dass ich's gemerkt hab?!

Aber so ne Abendstimmung gibt ja oft auch gute Fotos ab, also passt's scho;)

Routendaten:

Wandhöhe: 250m

Kletterlänge: 300m

Schwierigkeit: 8- (7A0, vielleicht inzwischen eher A1?)

Absicherung: alle Stände gebohrt, meist gebohrte Zwischenhaken, Zusätzlich Cams (wenn verfügbar ein, zwei Cams Größe 4) und Keile


Dem Till hat seine erste alpine Mehrseillängenroute, wie man hier sieht voll getaugt und er is hochmotiviert für weitere Touren;)

Viele Grüße Jakob und Till

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